Aqua in Wolfsburg (13P/15P)

Der Taxifahrer, der mich von der Mietwagen-Station ins Ritz Carlton fährt, schimpft über seine eigene Stadt. Ich enthalte mich eines Kommentars, nicht nur, weil ich bisher noch gar keine Meinung über Wolfsburg habe. Das Ritz Carlton, in dem sich das dreibesternte Restaurant Aqua befindet, beeindruckt durch eine moderne und klare Einrichtung, die gleichzeitig eine gemütliche Atmosphäre schafft.
Am Nachmittag schwimme ich ein paar Bahnen im auf 30°C beheizten Außen-Pool, der selbst in einem Kanal schwimmt. Um mir herum: die Autostadt Wolfsburg, Industriegebäude und VW, VW, VW!

VW

Pool

Am Abend wird in dem großzügig/weitläufig eingerichteten Restaurant Aqua Platz genommen. Ein großer Gegensatz bspw. zum Restaurant Schloss Berg, wo die Tische unter Jahrhunderte alten Balken des Schlosses eng beieinander stehen.

Zu einem - keine Überraschung - Rosé Champagner erhalte ich die ersten Snacks aus der dreibesternten Küche unter Leitung von Sven Elverfeld. Am Nachbartisch trinkt man ein Craft Beer als Aperitif, das aber mit "süchtig wird man davon nicht" abgewatscht wird.

Punktesystem nach Schulnoten der Oberstufe:  
15P = 1+, 14P = 1, 13P = 1-, 12P = 2+, ...  

Karamellisierte Ananas in Form eines knackigen Bonbons, welcher grüne Wacholderbeeren freigibt. 12P.

Ananas

  • Eine Jakobsmuschel mit alter Soja-Sauce. Umami! 13P.
  • Saibling mit Petersilie. 11P.

Löffel

Als weiterer Snack der Tandoori-Chicken-Burger, den man mittlerweile als "Signature-Snack" vom Küchenchef Sven Elverfeld bezeichnen kann. Wunderbar süß-klietschig der "Bun", schmackhaft das Hühnchen 14P.

Hamburger

Dazu werden zwei kleine Süppchen gereicht.

  • Links Kohlrabi mit Vacherin. 10P.
  • Rechts davon Süßkartoffel und Kokos. In einem Zug geleert entwickeln sich zuerst süße, dann salzige Noten mit feinem Kokos-Aroma. 14P.

Suppen

Es folgt eine Suppe / Schaum vom Kürbis, innen Räucheraal. Sehr schön der aromatisierende Einsatz von Kürbiskernöl an der Wand des Tässchens. 12P.

Kürbis

Nach Abschluss dieser feinen Grüße der dreibesternten Küche wird der erste Gang des Menüs serviert: Bretonische Makrele. Diese kommt optisch herrlich daher und wird von einer Vielzahl an weiteren Komponenten sehr schön begleitet, nämlich Venusmuscheln, Gurken (klar ersichtlich), Rambutan (eine Art Litschi), Avocado und Erdnuss. Der Fisch ist sehr zart und spielt mit der Vinaigrette gut zusammen. Die ausgesprochen dezenten Noten von Erdnuss gefallen mir sehr gut. 14P.

Makrele

Als zweiter Gang wird eine Atlantik Seezunge serviert. Dazu gibt es Karotten, Curry und Brokkoli. In der Vinaigrette finden sich die kleinen grünen Brokkoli-Kügelchen, die man nach dem Schneiden und Putzen in der heimischen Küche stets aus Spüle und vom Schneide-Brett mühselig entfernen muss. Schöne Idee. Der Fisch selbst ist einwandfrei, aber auch nicht besonders umwerfend. 12P.

Seezunge

Rochenflügel und pochierte Gillardeau Auster wird im dritten Gang geboten. Fisch und Auster ruhen auf Wasserspinat und marinierter Artischocke. Das Zusammenspiel der Komponenten ist herrlich, der Rochenflügel perfekt gegart. Die Buttrigkeit und der dezente Geschmack der pochierten Auster verstärken alle Aromen und setzen gleichzeitig einen Gegensatz zu der mild-säuerlichen Artischocke. Wunderbar! 15P.

Rochen

Die Vorspeisen neigen sich dem Ende und es wird übergeleitet mit Lammzunge und weißer Trüffel. Dazu gesellen sich Topinambur, Comté und ein pochiertes Wachtelei. Die Kombination der Zutaten ist klassisch und ich freue mich auf das Gericht. Die Lammzunge selbst kann zarter nicht sein und fügt sich sehr gut in das süffige Zusammenspiel von Topinambur, Trüffel, Ei und dem zurückhaltenden Käse ein. Wieder ein tolles Gericht. 14P.

Lammzunge

Ich freue mich auf den nächsten Gang aufgrund der vielversprechenden Zutaten: Schweinebauch vom Holzkohlegrill dazu Apfel, Sauerkraut, Bratkartoffelschaum und Balsamico. Das verspricht ein deftiges, wohlschmeckendes Gericht zu werden.
Leider werde ich ziemlich enttäuscht. Die ganze Komposition ist viel zu salzig, viel zu sauer und viel zu süß zugleich. Ich bin nicht in der Lage einzelne Nuancen heraus zu schmecken. Mehrmals nehme ich große Schlücke aus meinem Wasserglas, während ich angestrengt versuche eine einzelne Komponente zu identifizieren. Schade. 5P.

Schweinebauch

Glücklicherweise folgt nun ein Champagner-Sorbet, welches nur allzu bekannt ist und in einem Glasboden einer Champgner-Flasche seviert wird. Hier noch einmal meine kurze Meinung: cremig, herb, erfrischend. Gerade nach dem vorigen Schweinebauch. Sehr schön! 14P.

Sorbet

Ich bin glücklicherweise noch nicht besonders satt, was mir die Möglichkeit eröffnet, das Menü etwas zu erweitern. Ich frage, ob ich die Hauptspeise des kleinen Menüs probieren könnte, was zunächst verneint wird. Ist wohl zu kurzfristig und ich bin ein bisschen enttäuscht. Dennoch kommt kurze Zeit später der lustig-aufgedrehte Chef des Service an den Tisch und erläutert noch einmal die Gründe, dass die Hauptspeise nicht getauscht werden kann, währenddessen das Missverständnis aber aufgeklärt wird:

"Nicht Tauschen! Extra bitte!" - "Achso! Ouiiiii! Natürlich geht das!" wird mit charmantem französischen Akzent geantwortet und ich bin wieder happy.

Nun denn, es folgt zunächst der reguläre Hauptgang: Nacken vom japanischen Wagyu-Rind. Das Wagyu ist herrlich marmoriert und entfaltet so einen schönen Geschmack, der von Roter und Gelber Beete in ausgewogenem Süß-Sauer-Verhältnis begleitet wird. Dazu Koriandermayonnaise, die etwas überflüssig ist, da das Fleisch selbst schon fettig genug ist und es meiner Meinung nach keine Mayonnaise braucht. 13P.

Wagyu

Nun folgt meine zweite Hauptspeise, Mieral Taube "Caesar". Ein Caesers-Salad, aber diesmal nicht vegetarisch wie im Lerbach, sondern mit einer nahezu perfekt gegarten Taube. Dazu eine warme Vinaigrette mit Radieschen und geräucherten Mandeln. Parmigiano Reggiano und Romana Salat dürfen auch nicht fehlen. Ein schönes Gericht. 14P.

Anschließend erhalte ich unaufgefordert einen "Nachschlag", da wohl etwas Taube in der Küche übrig war. Das Angebot nehme ich gerne an :)

Taube

Vor dem Hauptdessert genieße ich eine Auswahl an milden Käsesorten vom Wagen. Das Hauptdessert ist dann ein Geeister Germknödel. Dieser ist unfassbar cremig, luftig und leicht zugleich mit einem feinen Hefegeschmack. Dazu gibt es Mohn und einen am Tisch angegossenen heißen Pflaumensud. Dazu weitere Komponenten der Pflaume. Ein ganz großes Dessert. 15P.

Germknödel

Der Abend endet mit einem süßen Finale. Zuerst ein erfrischender Schafsjoghurt mit Fenchel und Mandarine. Gefällt gut, insbesondere der Fenchel gibt schöne Anis-Aromen ab und das Joghurteis ist nicht zu sauer. 14P.

Eis

Dann ein Earl-Grey-Schaum mit Limette und Feige. Gefällt mir vom Geschmack wie auch von der Konsistenz des Schaumes nicht so gut.

Earl Grey

Schließlich ein sehr feiner Lavendel-Passionsfrucht Macaron.

Macaron

Nach einem kurzweiligen Abend mit vielen tollen Gerichten und einer großen Enttäuschung genieße ich als Abschluss einen Digestif und ein paar hausgemachte Pralinen in der angenehmen Bar des Ritz Carlton. Ob ich morgen früh noch eine Runde schwimmen gehe? Ich habe die Befürchtung, dass ich untergehe wie ein Stein.

Subjektive, zusammenfassende Bewertung

Gerichte mit 15P zählen doppelt.  
GewichtungØ Punkte
Snacks 0,25 12,00
Grüße aus der Küche 0,5 13
Vorspeisen 2 12,71
Hauptspeisen 1 13,50
Nachspeisen 1 14,67
Service & Ambiente 1 14
Gesamtwertung 13,41P -> 13P

Informationen zum Restaurant

RestaurantAQUA
Websitewww.restaurant-aqua.com
KüchenchefSven Elverfeld
AdresseThe Ritz-Carlton, Parkstraße 1, 38440 Wolfsburg
Datum des Besuchs
Guide Michelin* * *
s Bewertung13P