Geisels Werneckhof - Mein neuer Münchener Geheimtipp (13P/15P)

Als ich vor zweieinhalb Jahren das letzte Mal im Werneckhof zu Gast war, hat mich die japanisch angehauchte Küche gereizt, die sich qua Abstammung des Küchenchefs Tohru Nakamura bereits im Voraus legitimierte, mich aber dennoch etwas enttäuscht zurückließ: zu viele gewollt-diffizile "Miniaturwunderland"-Teller, die geschmacklich wenig boten. Dennoch: ein paar schöne Teller (unter anderem ein wunderbares Kalbsbries-Gericht) rechtfertigen nun im Hochsommer einen zweiten Besuch!

Das Restaurant ist ganz unprätentiös, nämlich gehoben-zünftig gestaltet und liegt in einer hübschen Schwabinger Seitenstraße zwischen Münchener Freiheit und Englischer Garten. Eigentlich der ideale Ort für einen gehobenen Schickeria-Italiener, glücklicherweise das Zuhause von einem Michelin-Stern.

Punktesystem nach Schulnoten der Oberstufe:  
15P = 1+, 14P = 1, 13P = 1-, 12P = 2+, ...  

Erfrischung!

Es herrscht eine Affenhitze und ich werde mit einer schönen Auswahl an Tomaten und einem kühlen Schnee erfrischt. Wunderbar tomatig, säuerlich, frisch. 12P.

Tomaten

Dazu gibt es eine nette Auswahl an Snacks mit asiatischen Aromen, hier Sesam und Algen. Fein. 12P.

Snacks

Ein knuspriges (mir nicht mehr in den Sinn kommendes) Röllchen versteckt sich in einem unterhaltsamen Suchbild.

Röllchen

Sashimi

Ein hervorragendes Gericht folgt mit "Buri": eine ganz ausgezeichnete Gelbschwanzmakrele wird hier mit Rote Bete, Steinpetersilie und Macadamia kombiniert und erzeugt einen großartigen Akkord, ohne das tadellose Sashimi und den angerösteten, fetteren Bauch von der japanischen Gelbschwanzmakrele in irgendeiner Art in den Hintergrund zu drängen. Nein, alle Komponenten bringen den Fisch zur Geltung - von dem Klecks Vinaigrette bis zur Roten Bete. Ebenso spielen beide Zubereitungsarten und Stücke vom Fisch sehr gut zusammen.

Nichts ist schlimmer als eine vermurkste Gelbschwanzmakrele! Gut, dass es heute hervorragend gelingt - und was für eine Steigerung zu meinem letzten Besuch, bei dem einige ähnliche Gerichte nicht geklappt haben. 13P.

Gelbschwanzmakrele

Zaubertrank

Ich wünschte, dass ich wie Obelix in den nun servierten Zaubertrank fallen könnte (oder zumindest einen großen Kessel zu meiner Verfügung hätte): eine umwerfend süffige Vichyssoise von Brunnenkresse. Darin herrlich aromatische, süße Steinpilze in perfekter Konsistenz und leichte, salzige Noten durch einen dezent geräucherten Aal.

Ein einfaches Gericht mit einer unbeschreiblichen Glückskomponente. Hier stimmt einfach alles, ich bekomme eine kleine Gänsehaut und bin froh, dass ich einen zweiten Besuch im Werneckhof gewagt habe! 15P.

Spaghetti

Es geht weiter mit "Soba", japanische, dünne Nudeln, die ein wenig an Spaghetti erinnern und heute nicht aus Buchweizen, sondern aus Sepia und Algen hergestellt sind. Serviert werden diese in einem konischen Martini-Cocktail-Glas auf Eis (kein Bild!). Dazu gibt es einen ansprechenden Teller mit Gurken, Tofu und Buddhas-Hand. Wieder ein schönes, kühles Gericht mit "gurkiger" Frische und Säure. Leider bin ich nicht ganz sicher, wie ich die Nudeln essen soll. Einen Happen Nudeln, dann einen Happen vom Gurkenteller? Oder die gekühlten Nudeln auf den Teller legen und anschließend gemeinsam Kombinationen durchprobieren? Allerdings gestaltet sich der "Transport" der Nudeln auf den Teller als Herausforderung für die Feinmotorik. Hier hätte ein Hinweis vom Service gut getan. Schlussendlich aber doch ein gutes Gericht. 10P.

Soba

Seezunge

Es folgt ein kompromissloser Fischgang: Seezunge der besten Qualität, sommerliche grüne Bohnen und ein tief-aromatischer Grätendashi sorgen für Wohlbefinden. Insbesondere die knackigen Bohnen wie auch die aromatisch, cremige (sic!) Creme aus diesen passen gut zur zarten Seezunge, der durch Flambieren oder Grillen noch dezente Röstaromen spendiert bekommen hat. Ein ausgewogenes, gutes Gericht. 12P.

Seezunge

Tokio? München?

Als Hauptgang wird mir gegrilltes Bavette-Steak vom Blackmore Wagyu serviert. Die Fleischqualität ist hervorragend: zart, schmelzend und dennoch nicht "langweilig" wie ein Filet. Der Teller nimmt fernöstlichen Bezug durch eine Gyoza, eine Art japanische Maultasche (hier gefüllt mit den Bäckchen des Wagyu-Rindes), die gedämpft und anschließend kurz angebraten wird. Dazu erhält im Japanischen Restaurant stets eine sehr säuerlich-intensive Soße auf Soja- und Reisessig-Basis, die sich hier in abgeschwächter Form auf dem Teller findet und eine schöne Verbindung mit den Artischocken eingeht.

Wagyu

Die Küche setzt diesem guten Hauptgericht aber noch "eins drauf" und stellt diesem schönen, japanisch angehauchten Teller eine ganz und gar klassisch-europäische Beilage zur Seite: Pfifferlinge mit Speck in einem hoch intensiven, aufgeschlagenen Fonds. Genial und zugleich verwirrend. Ist das jetzt Alpenküche? Oder japanische Küche? Bei Tohru Nakamura eben beides. Sehr gut. 13P.

Pfifferlinge

Pimpernell

Nach diesem hoch-intensiven Hauptgang folgt nun die erste Nachspeise, die langsam aber gekonnt meinen Gaumen vom Umami entwöhnt: Werneckhof Pimm’s Cup ist eine gekonnte Interpratation des klassischen Sommergetränks als Nachspeise und tauscht in regionaler Anspielung die Gurken durch das Kraut Pimpernell aus. Mir gefällt es als Übergang durchaus gut und auch die Menge ist optimal als Vordessert. 10P.

Pimpernell

Kirschblüten

Das Hauptdessert bedient - zumindest von der Optik - ganz und gar jedes japanische Klischee, ist aber von den Zutaten in Süddeutschland zu Hause: Kirschen, Holdunderblüten, Hafer und alpine Süßdolde spielen ganz hervorragend zusammen. Mit Getreiden in Desserts hat man mich sowieso! 12P.

Kirschen

Fazit

Was für eine gute Entscheidung noch einmal den Werneckhof zu besuchen! Die Küche hat durchweg überzeugt, das Spiel von Japan nach München und zurück gelingt Tohru Nakamura großartig und die entspannte, fast familiäre Atmosphäre im Werneckhof macht den Geisels Werneckhof zu meinem neuen Geheimtipp in München.

Subjektive, zusammenfassende Bewertung

Gerichte mit 15P zählen doppelt.  
GewichtungØ Punkte
Snacks 0,25 12
Vorspeisen 2 13
Hauptspeisen
1 13
Nachspeisen 1 11,00
Service & Ambiente 1 13,00
Gesamtwertung 12,57P -> 13P

Informationen zum Restaurant

RestaurantGeisels Werneckhof
Websitewww.geisels-werneckhof.de
KüchenchefTohru Nakamura
AdresseWerneckstraße 11, 80802 München
Datum des Besuchs
Guide Michelin*
s Bewertung13P