Le Louis XV - Heute ein König (14P/15P)

An diesem wunderbaren Sommerabend diniere ich also "bei Alain Ducasse" - richtigerweise diniere aber bei Dominique Lory, der Küchenchef im Le Louis XV ist, das zu Ducasse' globalen Restaurantimperium gehört - alleine sechs Restaurants der gehobenen Küche.

Ich bin zugegebener Maßen etwas nervös - pompöse Hotels und Restaurantausstattungen, Wetteiferei über den teuersten Wein mit den Tischnachbarn sowie prahlerische Pseudodiskussionen mit dem Sommelier liegen mir nicht. Camp-David-Shirts und/oder Yacht besitze ich auch nicht. Ich möchte einen anregenden, kulinarisch begeisternden Abend verbringen.

Doch alle Sorgen verfliegen augenblicklich, als ich durch die Hotellobby in das Restaurant eintrete. "Bonsoir Monsieur Beller" begrüßt mich die Servicedame am Empfang, als sei ich ein alter Stammgast. Woher weiß sie, dass ich es bin? OK, 19 Uhr, zwei Personen, das müssen meine Begleitung und ich sein. Ich freu mich dennoch über dieses Willkommenheißen, das ehrlich und herzlich, professionell, aber nicht steif, freundlich, aber nicht kumpelhaft ist - so, wie der Service es den ganzen Abend sein wird.

Um es gleich vorweg zu nehmen: nie habe ich jemals einen besseren Service erlebt. Jeder Handgriff sitzt, ohne dass der Gast das Gefühl hat von "pinguinesken" Automaten umgeben zu sein. Der Service erkennt, wann sich der Gast noch ein wenig dem Glas Wein und dem Gespräch widmen möchte und wann die Zeit für den nächsten Gang gekommen ist. Jederzeit habe ich das Gefühl, dass ich heute Abend der wichtigste Gast bin! Und das großartige an diesem professionellen Team ist: alle anderen Gäste haben heute Abend genau dasselbe Gefühl.

Amuse-Gueule

Auf der Terrasse wird eine kleine Knabberei mit eingebackenem Gemüse serviert und man genießt einen interessanten, amüsanten Blick über den Place du Casino, den wohl berühmtesten Platz in Monte Carlo. Rechts zum Panoramablick liegt das weltbekannte Casino und lädt den risikoaffinen Gourmet ein, die Brieftasche vor dem Dinner prall zu füllen! Denn die Preise im Le Louis XV sind schlichtweg saftig - mehr dazu später.

Cräcker mit eingebackenem Gemüse

Anschließend folgen Crudités, hier als zierlich präparierte Röllchen am Stiel und dazu ganz klassisch, eine sanft mit Knoblauch gewürzte Anchoïade, ein ganz intensiv-salziger Sardellen-Dip. Eine schöne, unaufgeregte Interpretation des südfranzösischen Klassikers. 11P.
Vegetarisches Fingerfood

Spektakulärer geht es dann bei dem finalen Amuse-Gueule zu: rohe Fischhäppchen werden auf heißen Steinen serviert, der Service gießt mit Zitrone aromatisiertes Wasser über die Steine und lässt den Fisch im "Dampfbad" für einige Sekunden unter einer Art Cloche garen. Das Ergebnis gefällt mir sehr: heißer, perfekt gegarter Fisch, dessen individuell-eigenes Aroma sich durch die Abwesenheit jeglicher Röstaromen wunderbar entfalten kann. 14P.

Gedämpfter Fisch

Die 200 EUR Vorspeise

Die erste Vorspeise ist ein Spektakel in drei Komponenten: kalte, auf den Punkt gegarte Gamberoni aus San Remo, Fischgelee und ein großer Löffel Kaviar. Die halbe Portion steht mit exakt 100 EUR auf der Rechnung. Doch das ist mir egal, dieses Gericht ist unvergesslich, ich will noch eine ganze weitere Portion bestellen, aber der Maître verbietet es mir: ich würde ansonsten die weiteren Gerichte nicht schaffen - er wird recht behalten, dennoch ärgere ich mich noch jetzt beim Schreiben, dass ich mich nicht durchsetzen konnte.

Hier geht alles Hand in Hand: die kalten Gamberoni sind süß und klar wie frisches Wasser. Zusammen mit dem fischigen, aber zurückhaltend gesäuerten und gesalzenen Gelee ergeben sich bereits spannende Kombinationen im Mund. Perfektioniert wird das Gericht aber durch den Kaviar, der keineswegs als teure Luxuszutat für Instagram-Foodpics dient, sondern essentiell für das Gericht ist: herrlich nussig, salzig und geradezu buttrig gibt der Kaviar eine Tiefe und Cremigkeit, die die beiden anderen Zutaten niemals zu zweit erzeugt haben könnten.

Auch bei diesem Gericht zeigt sich wie ein paar Tage zuvor im Mirazur, dass ein perfektes Gericht lediglich einige wenige, aber spektakulär gute Zutaten braucht! 15P.

Gamberoni aus San Remo mit Kaviar

Hummer

Die erste Hauptspeise ist dann ein ganzer Hummer mit einem Sud, der mit Myrtebeeren und Ingwer ganz hervorragend aromtisiert ist und gleichzeitig Tiefe und Leichtigkeit besitzt. Zum Hummer gibt es es verschiedene Gemüse, Zuchini, Radieschen und Karotten zum Beispiel, die erstaunlich weich gegart sind, aber dennoch keinerlei Schreckenserinnerungen an verkochten Brokkoli der Großtante wecken. Nein, das weiche Gemüse ergänzt sich texturell sehr gut mit dem knackig-süßen Hummer. Der Fonds verbindet Gemüse und Hummer und fügt eine intensiv und brillante Note hinzu. Ich könnte von dem Fonds auch einfach einige Tassen trinken. Der Ingwer ist übrigens ganz perfekt dosiert, fügt er doch einen wirklichen frisch-zitronigen Geschmack nach Ingwer hinzu, ohne lediglich scharf und kratzig zu sein. Wunderbare Mittelmeerküche! 14P.

Hummer mit Myrtebeeren und Ingwer

Monegassischer Stockfisch

Nicht entgehen lassen darf man sich folgendes Zwischengericht: Stockfisch in Tomatensauce mit Oliven, ein Wohlfühlgericht ohne Vergleich. Der Stockfisch ist ganz wunderbar zart von zurückhaltender Salzigkeit und Tomaten und Oliven gehen geradazu eine "natürliche" Verbindung ein, um Tiefe und Süße zu erzeugen.
Was für ein bodenständiges, tolles Gericht, das sich wohl um keine Nuance mehr optmieren ließe.

In gewisserweise ironisch an dem Stockfisch bzw. an der Vorliebe der mediterranen Bewohner für diesen ist, dass der Kabeljau im hohen Norden gefangen und durch Salz konserviert wird, während direkt vor der Tür das Mittelmeer frischen Fisch in Hülle und Fülle bietet. Ein geniales Gericht. 15P.

Französisches Rind

Als Hauptspeise dann ein frazösisches Rind, das traditionell auf einem Servierwagen unter einer Cloche darauf wartet, tranchiert und serviert zu werden. Ein wunderbares Schauspiel. Dazu eine gebackene Aubergine, die in ihrer Schale in sehr kleine Stäbchen geschnitten wurde, damit der Gast sich das Zerschneiden der fasrigen Aubergine sparen und sich stattdessen dem intensiven Fleisch und der wunderbaren Sauce widmen kann. Diese ist genau richtig ausgewogen und mit einer hervorragenden Säurebetonung. Sehr schön übrigens die leichten und krossen "Pommes Soufflées". Insgesamt ein sehr solides, und mächtiges Hauptgericht, mit deren Menge man durchaus zu kämpfen hat (ich wurde ja bereits gewarnt), das aber bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. 11P.

Französisches Rind mit Auberginen und karamellisierten Zwiebeln

Eine kleine Erfrischung wird vor dem Dessert serviert.

Erfrischung

Dessertreferenz

Es folgt ein Signaturedessert aus Alain Ducasses Restaurants, das schon zur regulären Bestellung zu Beginn des Abends aufgegeben werden muss, denn der/das Rum Baba, ein klassisches Hefeküchlein, wird à la minute gebacken. Zum Tisch wird ein Wagen mit verschiedenen Rumsorten gebracht, von denen ich einen relativ "leichten" Rum wähle (weniger als 50% alc.), der mit warmen Läuterzucker vermischt und über das luftige Küchlein gegossen wird, welches das Elixier bereitwillig aufsaugt ohne dabei matschig zu werden. Dazu wird eine leicht aufgeschlagene Vanillesahne serviert.

Ich kann ohne Zweifel behaupten, dass dies die wunderbarste Nachspeise ist, die ich jemals gekostet habe. Dieser Baba au rhum vereint quasi alle Geschmacksträger, die dick aber glücklich machen: bodenständiger Hefekuchen mit einer göttlichen Luftig- und Klitschigkeit zugleich, dazu warmer, zuckriger Alkohol und frische Sahne, damit das Fett nicht fehlen darf.
Ich wiederhole mich, aber dennoch: wer braucht Dessertlandschaften, Früchte in verschiedenen Texturen und Formen, wenn man doch einfach nur wenige, unkomplizierte Produkte aller bester Qualität benötigt. Beispielsweise die Sahne! Keinen weiteren Quirl hätte es gebraucht, keine Nuance Bourbonvanille mehr! Und natürlich diese Sahne aller erster Qualität - nie habe ich eine bessere Sahne gekostet! Ein göttliches Produkt, unverfälscht fett und frisch. Ein Dessert, das ab sofort meine Referenz sein wird. 15P.

Rum Baba

Zum Abschluss folgen die obilgatorischen Petit Fours, die mir aber - nach diesem eindrucksvollen Dessert serviert - nicht besonders in Erinnerung bleiben.
Petits Fours

Fazit

Der Abend ist zu Ende und ich verlasse selig das Hôtel de Paris, fühle mich ein wenig wie ein König und eine leichte Schwermut trifft mich, als ich auf das Taxi warte. Wann komme ich wohl wieder in den Genuss von diesem Baba au rhum oder der Gamberoni mit Kaviar?

Das Team im Louis XV beweist, dass die französische Küche durch ihre konsequente Produktfokussierung großartiges leistet! Vorallem gefallen mir wie im Mirazur die "einfachen" Gerichte, mit wenigen, aber brillanten Produkten, die raffinierte Gerichte ermöglichen, ohne intellektuell anstrengend zu sein. Auch der Service ist bemerkenswert professionell und freundlich, besser kann Service nicht sein.

Zum Abschied erhalte ich dann noch eine Panettone als Erinnerung, ein luftig-lockeres Hefegebäck, das mir am nächsten Morgen das Frühstück versüßt.
Panettone

Subjektive, zusammenfassende Bewertung

Gerichte mit 15P zählen doppelt.  
GewichtungØ Punkte
Snacks 0,25 12,50
Vorspeisen 2 14,80
Hauptspeisen
1 11
Nachspeisen 1 15
Service & Ambiente 1 15,00
Gesamtwertung 14,04P -> 14P

Informationen zum Restaurant

RestaurantLe Louis XV - Alain Ducasse à l'Hôtel de Paris
Websitewww.alain-ducasse.com/en/restaurant/le-louis-xv-–-alain-ducasse
KüchenchefDominique Lory
AdresseHôtel de Paris, Place du Casino, MC 9800 Principauté de Monaco
Datum des Besuchs
Guide Michelin* * *
s Bewertung14P